
© Across Nations
Mit der Faust in die Welt schlagen (2025)
Drama über Kindheit und Jugend zweier Brüder in der ostdeutschen Provinz.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung :
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 2 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Im Jahr 2006 ist das neue Haus, das Vater Stefan (Christian Näthe) für die Familie baut, fast fertig. Hier, in der ostdeutschen Provinz, wachsen der 12-jährige Philipp (Anton Franke) und sein neunjähriger Bruder Tobi (Camille Moltzen) auf. Mutter Sabine arbeitet als Krankenschwester in der Klinik und hat wenig Zeit für die Kinder. Uwe (Meinhard Neumann), ein früherer Arbeitskollege von Stefan, kommt und hilft ihm mit den Installationen, die Familie zieht ein. Die Kinder meiden den wortkargen Mann, der nach Alkohol riecht. Irgendwann kommt Uwe nicht mehr, er ist tot.
Stefan, ein trockener Alkoholiker, verliert seine Arbeit. Philipp findet eine Flasche Schnaps, die er versteckt hat, Tobi wirft die Bewerbungsschreiben, die Stefan zurückgeschickt werden, ins Altpapier, um ihm den Schmerz zu ersparen. Die Ehe der Eltern versinkt in der Krise. Die Kinder sind allein mit ihren Sorgen, stromern durch die Natur. Philipp schließt sich einem jungen Neonazi und seinen Kumpels an. Acht Jahre später sollen in der alten, leerstehenden Schule Flüchtlinge untergebracht werden. Tobi ist Elektrikerlehrling und heckt mit einem der Neonazis etwas aus.
Bildergalerie zum Film "Mit der Faust in die Welt schlagen"
Hier streamen
Filmkritik
"Mit der Faust in die Welt schlagen“: Zwei Jungs im Osten
Die Brüder Philipp und Tobi erleben früh mit, wie sich die Hoffnungen und Pläne der Familie in der ostdeutschen Provinz zerschlagen. Sie wachsen perspektivlos und ohne Vorbilder auf, geraten ins Milieu örtlicher Neonazis. Das Spielfilmdebüt der ebenfalls aus dem Osten Deutschlands stammenden Regisseurin und Drehbuchautorin Constanze Klaue erzählt eine Geschichte, die sich auch für die Wurzeln fremdenfeindlicher Gesinnung von Jugendlichen interessiert. "Mit der Faust in die Welt schlagen“ basiert lose auf dem gleichnamigen Roman von Lukas Rietzschel.
Ein Haus ohne Zukunft
Zuerst gibt es eine Zukunft, ihr neues Haus ist fast fertig. Schleichend, aber unaufhaltsam geht dann alles schief. Die Eltern giften sich an, Philipp und Tobi stehen oft nur im Weg. Die beiden Kinder bemühen sich, den Vater vor dem weiteren Abrutschen zu bewahren, mit kleinen Gesten, heimlichen Handlungen. Geredet wird aber schon lange zu wenig. Wenn die Brüder frei sein wollen, gehen sie hinaus, in den Wald, an den See.
Das angelernte Schweigen
Es verblüfft, wie kurz angebunden alle in der Familie sind, besonders den Kindern gegenüber. Eine krasse Szene erzählt davon, wie brutal beiläufig Tobi der Tod des Großvaters mitgeteilt wird. Das Schweigen in der Familie weist auf eine lange Reihe von Brüche hin, auf in der DDR geformte Gewohnheiten und Biografien, die nach der Wiedervereinigung ins Abseits gerieten. Hinzu kommt, auch noch zu Anfang des 21. Jahrhunderts, das Scheitern individueller Versuche, wirtschaftlich in der Heimat Fuß zu fassen.
Halbstark mit Nazisymbolen
Der Regisseurin zufolge ist die Fremdenfeindlichkeit, die sich besonders im Jahr der Flüchtlingskrise 2015 entlädt, auch ein Ausdruck der Systemkritik bei Jugendlichen und ein Versuch, sich von den abgehängten Eltern abzugrenzen. Schon Jahre vorher lernen die Brüder diese jungen Typen mit den Naziemblemen und der Lust auf kriminelle Aktionen kennen. Welche Personengruppen als Zielscheibe für Gewalt und Ächtung dienen, bekommen die Kinder auch im schulischen Umfeld mit. Der Schulbusfahrer kennt einen Judenwitz.
Aufgeschnappt, zusammengereimt
Der sehr realitätsnah gedrehte, aus wie beiläufig beobachteten Alltagsszenen bestehende Film deutet vieles nur an. Aufgeschnappte Sätze, Momentaufnahmen – wie die Brüder selbst muss sich auch das Publikum oft zusammenreimen, worum es geht, was geschehen ist. Dieser Stil der Auslassungen wirkt etwas aufgesetzt und ermüdend. Die Figuren bleiben immer ein Stück weit sich selbst überlassen.
Fazit: Für zwei Brüder ist das Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz eine ziemlich traurige Erfahrung. Das Spielfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Constanze Klaue erzählt von einer Familie, die an der Perspektivlosigkeit zerbricht und den Kindern keine Antworten gibt. Das Drama beobachtet realitätsnah, wie sich die Jungen in einem Alltag zurechtfinden wollen, der nicht funktioniert und sie in die Gesellschaft Rechtsradikaler treibt. Der Stil bruchstückhaften Erzählens verkompliziert das Zusehen, man begreift aber trotzdem, dass jugendliche Wut und Entfremdung viele Wurzeln hat.
Die Brüder Philipp und Tobi erleben früh mit, wie sich die Hoffnungen und Pläne der Familie in der ostdeutschen Provinz zerschlagen. Sie wachsen perspektivlos und ohne Vorbilder auf, geraten ins Milieu örtlicher Neonazis. Das Spielfilmdebüt der ebenfalls aus dem Osten Deutschlands stammenden Regisseurin und Drehbuchautorin Constanze Klaue erzählt eine Geschichte, die sich auch für die Wurzeln fremdenfeindlicher Gesinnung von Jugendlichen interessiert. "Mit der Faust in die Welt schlagen“ basiert lose auf dem gleichnamigen Roman von Lukas Rietzschel.
Ein Haus ohne Zukunft
Zuerst gibt es eine Zukunft, ihr neues Haus ist fast fertig. Schleichend, aber unaufhaltsam geht dann alles schief. Die Eltern giften sich an, Philipp und Tobi stehen oft nur im Weg. Die beiden Kinder bemühen sich, den Vater vor dem weiteren Abrutschen zu bewahren, mit kleinen Gesten, heimlichen Handlungen. Geredet wird aber schon lange zu wenig. Wenn die Brüder frei sein wollen, gehen sie hinaus, in den Wald, an den See.
Das angelernte Schweigen
Es verblüfft, wie kurz angebunden alle in der Familie sind, besonders den Kindern gegenüber. Eine krasse Szene erzählt davon, wie brutal beiläufig Tobi der Tod des Großvaters mitgeteilt wird. Das Schweigen in der Familie weist auf eine lange Reihe von Brüche hin, auf in der DDR geformte Gewohnheiten und Biografien, die nach der Wiedervereinigung ins Abseits gerieten. Hinzu kommt, auch noch zu Anfang des 21. Jahrhunderts, das Scheitern individueller Versuche, wirtschaftlich in der Heimat Fuß zu fassen.
Halbstark mit Nazisymbolen
Der Regisseurin zufolge ist die Fremdenfeindlichkeit, die sich besonders im Jahr der Flüchtlingskrise 2015 entlädt, auch ein Ausdruck der Systemkritik bei Jugendlichen und ein Versuch, sich von den abgehängten Eltern abzugrenzen. Schon Jahre vorher lernen die Brüder diese jungen Typen mit den Naziemblemen und der Lust auf kriminelle Aktionen kennen. Welche Personengruppen als Zielscheibe für Gewalt und Ächtung dienen, bekommen die Kinder auch im schulischen Umfeld mit. Der Schulbusfahrer kennt einen Judenwitz.
Aufgeschnappt, zusammengereimt
Der sehr realitätsnah gedrehte, aus wie beiläufig beobachteten Alltagsszenen bestehende Film deutet vieles nur an. Aufgeschnappte Sätze, Momentaufnahmen – wie die Brüder selbst muss sich auch das Publikum oft zusammenreimen, worum es geht, was geschehen ist. Dieser Stil der Auslassungen wirkt etwas aufgesetzt und ermüdend. Die Figuren bleiben immer ein Stück weit sich selbst überlassen.
Fazit: Für zwei Brüder ist das Aufwachsen in der ostdeutschen Provinz eine ziemlich traurige Erfahrung. Das Spielfilmdebüt der Regisseurin und Drehbuchautorin Constanze Klaue erzählt von einer Familie, die an der Perspektivlosigkeit zerbricht und den Kindern keine Antworten gibt. Das Drama beobachtet realitätsnah, wie sich die Jungen in einem Alltag zurechtfinden wollen, der nicht funktioniert und sie in die Gesellschaft Rechtsradikaler treibt. Der Stil bruchstückhaften Erzählens verkompliziert das Zusehen, man begreift aber trotzdem, dass jugendliche Wut und Entfremdung viele Wurzeln hat.
Bianka Piringer
TrailerAlle "Mit der Faust in die Welt schlagen"-Trailer anzeigen

Besetzung & Crew von "Mit der Faust in die Welt schlagen"
Land: DeutschlandJahr: 2025
Genre: Drama
Kinostart: 03.04.2025
Regie: Constanze Klaue
Darsteller: Christian Näthe, Sammy Scheuritzel, Anja Schneider, Camille Moltzen, Johannes Scheidweiler
Kamera: Florian Brückner
Verleih: Across Nations