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Stasi FC (2024)

Fussball Hinter Dem Eisernen Vorhang

Dokumentarfilm über den berühmt-berüchtigtsten Club des DDR-Fußballs.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 1.0 / 5

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In den 1970er-Jahren dominierten zwei Mannschaften den Spitzenfußball in der Deutschen Demokratischen Republik (DDR): der 1. FC Magdeburg und Dynamo Dresden. Das änderte sich schlagartig, als Erich Mielke (1907–2000), der Minister für Staatssicherheit, beschloss, dass künftig sein Lieblingsverein, der Berliner Fussball Club Dynamo e. V., kurz BFC Dynamo, die ostdeutsche Fußballlandschaft dominieren sollte. Fortan landeten Nachwuchstalente wie Lutz Eigendorf (1956–1983) oder Falko Götz beim BFC Dynamo. Und wo die ohnehin schon starke Truppe nicht aus eigener Kraft gewinnen konnte, halfen fragwürdige Schiedsrichterentscheidungen nach.

Doch nicht alle Spieler waren mit dem Leben in der DDR zufrieden. Eigendorf setzte sich 1979 in den Westen ab, Götz und sein Teamkollege Dirk Schlegel 1983. Der Fluchtversuch von Gerd Weber, der seine Fußballschuhe für Dynamo Dresden schnürte, misslang hingegen, woraufhin Weber inhaftiert wurde und seine Karriere beendet war. All dies zeichnet dieser Dokumentarfilm nach und lässt dazu viele Zeitzeugen zu Wort kommen, zu denen neben den bereits erwähnten auch Fußballer wie Ralf Minge, René Müller und Bodo Rudwaleit zählen.

Bildergalerie zum Film "Stasi FC"

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse4 / 5

"Stasi FC": Wenn die Politik den Sport bestimmt

Wer sich auch nur ein bisschen für Fußball interessiert, kann bereits am Filmtitel ablesen, um welchen Verein es im Dokumentarfilm von Daniel Gordon, Zakaria Rahmani und Arne Birkenstock geht. Denn kein anderer ostdeutscher Club ist so berühmt-berüchtigt wie der BFC Dynamo, der inzwischen nur noch viertklassig spielt, im letzten Jahrzehnt vor dem Untergang der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) jedoch dank tatkräftiger Unterstützung Erich Mielkes, des Chefs des Staatssicherheitsdiensts (Stasi), mit zehn Titeln in Folge zum Rekordmeister der DDR-Oberliga aufstieg. Wie es dazu kam, arbeitet das Regietrio in einem ebenso informativen wie kurzweiligen, kurzum sehenswerten Dokumentarfilm auf.

Tragik und Komik liegen nah beieinander

Angesichts des ernsten Themas mag es überraschen, dass "Stasi FC" nicht nur informativ, sondern durchaus unterhaltsam ist. Wer sich mit der Geschichte diktatorischer Regime befasst, weiß allerdings, dass Atrozität und Absurdität nah beieinanderliegen. Entscheidend ist, dass die Filmemacher nicht das eine gegen das andere ausspielen, sondern den wahnwitzigen wie den widerwärtigen Seiten des DDR-Regimes gleichermaßen einen Platz einräumen.

Betrachtet man die unverfrorene Schamlosigkeit, mit der Mielke und Co. die Spielergebnisse manipulierten, um den Erfolg ihres Lieblingsvereins zu gewährleisten, dann wohnt diesen Versuchen auch eine gewisse unfreiwillige Komik inne. Erzählen Opfer dieser Politik wie Gerd Weber von den erlittenen Unmenschlichkeiten oder wird das Schicksal des Republikflüchtlings Lutz Eigendorf (1956–1983) nachgezeichnet, dann gibt es unterdessen nichts zu lachen – und es wird offensichtlich, wie tief und in alle Gesellschaftsbereiche hinein dieser Überwachungsstaat reichte.

Fußball als letzte Bastion der Meinungsfreiheit

Neben Arne Birkenstock ("Beltracchi – Die Kunst der Fälschung") und Zakaria Rahmani hat mit Daniel Gordon eine dokumentarische Sportskanone auf dem Regiestuhl Platz genommen. Gordon hat unter anderem Filme über die nordkoreanische Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1966, über den ugandischen Leichtathleten John Akii-Bua (1949–1997) und über den Australian-Footballspieler Adam Goodes realisiert. "Stasi FC" reiht sich nahtlos ein und zeichnet anschaulich nach, was geschieht, wenn die Politik mit ihren Allmachtsfantasien in eine der letzten Bastionen der freien Meinungsäußerung eindringt.

Die größte Schwäche dieses Films ist derweil die nicht immer chronologische Dramaturgie. So verständlich die Sachverhalte auch dargeboten werden, deren zeitliche Entwicklung ist nicht überall klar nachzuvollziehen. Beispielsweise folgen Bilder von protestierenden und randalierenden Fans in vollen Stadion recht abrupt auf Bilder von leeren Rängen, was auf den ersten Blick wie ein Widerspruch wirkt, weil unklar bleibt, wie viele Jahre zwischen diesen Aufnahmen liegen. Abgesehen davon ist "Stasi FC" aber ein Film, der jedem Fußballfan ans Herz zu legen ist, nicht nur den politisch interessierten unter ihnen.

Fazit: "Stasi FC", der eine prägende Phase des Fußballvereins BFC Dynamo im Besonderen und das letzte Jahrzehnt des DDR-Fußballs im Allgemeinen in den Blick nimmt, ist ein Dokumentarfilm, der nicht nur jedem Fußballfan, sondern auch allen politisch interessierten Menschen zu empfehlen ist. Denn er zeichnet nach, wie weit der Arm des Überwachungsstaats reichte, der auch vor der schönsten Nebensache der Welt keinen Halt machte.




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Zum Video: Stasi FC

Besetzung & Crew von "Stasi FC"

Land: Großbritannien
Jahr: 2024
Genre: Dokumentation, Krimi
Originaltitel: Fussball Hinter Dem Eisernen Vorhang
Länge: 87 Minuten
Kinostart: 27.03.2025
Regie: Arne Birkenstock
Darsteller: Gerd Weber, Falko Götz, Ralf Minge, Erich Honecker, Erich Mielke
Verleih: SquareOne

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