FBW-Bewertung: Googoosh - Made of Fire (2023)
Prädikat besonders wertvoll
Jurybegründung: Der Dokumentarfilm GOOGOOSH ? MADE OF FIRE von Regisseurin Niloufar Taghizadeh widmet sich der beeindruckenden Lebensgeschichte der iranischen Sängerin und Schauspielerin Googoosh, bürgerlich Faegheh Atashin. Über Jahrzehnte hinweg prägte sie als Ikone die iranische Popkultur, deren Erfolg sie bis nach Frankreich und Italien brachte, bevor sie mit der Islamischen Revolution von 1979 mit Auftrittsverbot, Hausarrest und Gefängnis konfrontiert wurde. Nach 21 Jahren der Isolation gelang ihr die Ausreise und ein beachtliches Comeback im Exil. Heute ist sie eine Symbolfigur des freien Iran, die gezielt ihre Position als öffentliche Person einsetzt, um auf Missstände und Unrecht hinzuweisen.Der Film gibt anhand eindrucksvoller Archivmaterialien einen tiefen Einblick in die Zeit, als Iran ein aufstrebendes, weltoffenes Land war, und verknüpft geschickt Googooshs persönliche Geschichte mit der Historie des Landes, das im deutschen Bildungssystem und in der generellen Aufmerksamkeit des Publikums, jenseits von Schreckensmeldungen in den Nachrichten, leider viel zu wenig Beachtung findet. Besonders eindrucksvoll ist die Darstellung der Zerrissenheit einer Identität zwischen Heimat und Exil. Hier leistet der Film einen wertvollen Beitrag zur Migrationsdiskussion und sensibilisiert für die Beweggründe und Herausforderungen von Menschen, die ihre Heimat verlassen müssen. Ganz nebenbei schafft diese Dokumentation ein Verständnis für die iranische Kultur, Sprache und Musik.
Regisseurin Niloufar Taghizadeh setzt gekonnt einen weiblichen Blick auf die Geschichte, insbesondere auf die Rolle der Frauen in Iran. Die Verbindung zur aktuellen Protestbewegung ?Woman, Life, Freedom? wird hergestellt, unter anderem mit Bezügen zu den Morden an Mahsa Amini und Neda Agha-Soltan. Die Recherchearbeit ist bemerkenswert, die Bilder sorgen für eine nachhaltige Wirkung. Gezielt stilistisch gebrochen wird der Film durch zwei Passagen, in denen den Opfern des iranischen Widerstandes gedacht wird, sowohl denen nach 1979, als auch den jüngeren, die bei friedlichen Protesten der letzten Jahre umgekommen sind.
In der Umsetzung bleibt der Film auf sicherem Terrain und erreicht gute TV-Qualität, ohne ästhetisch oder erzählerisch über das Gewohnte hinauszugehen. Manche wiederholten illustrativen Zwischenschnitte (z.B. Vögel) wirken redundant, auch wenn sie Motive der persischen Lyrik und Liedtexte Googooshs aufgreifen. Ebenso werden die Aussagen von Wegbegleiter:innen, die Googooshs Bedeutung betonen, als nicht notwendig empfunden.
Die private Darstellung von Googoosh selbst bleibt teilweise etwas an der Oberfläche und wirkt stellenweise bemüht. Sie pendelt zwischen der Präsentation ihres politischen Engagements und ungelenker Eigen-PR. Das Voice-Over, gesprochen von Iris Berben, erhält bei der Jury gemischte Reaktionen: Einerseits wird die warme Stimme gelobt, die die Spannung hält, andererseits fehlt es manchen Jury-Mitgliedern an der notwendigen Distanz.
Trotz kleinerer Schwächen ist GOOGOOSH ? MADE OF FIRE ein wichtiger und informativer Film, der sich für ein breites Publikum eignet. Er nutzt die schillernde Persönlichkeit Googooshs als Einstiegspunkt, um gesellschaftliche und politische Dimensionen des iranischen Exils und der Hoffnung auf einen freien Iran greifbar zu machen.
Die Jury vergibt mit großer Mehrheit das Prädikat ?besonders wertvoll?.
Deutsche Film- und Medienbewertung (FBW)