oder

Die Schattenjäger (2024)

Les fantômes

Französischer Thriller über einen nach Europa geflüchteten Syrer, der Teil einer im Verborgenen agierenden Gruppe ist.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 2 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse 5.0 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Von den Schlächtern des Assad-Regimes in der Wüste zum Sterben zurückgelassen, schafft es der Syrer Hamid (Adam Bessa) irgendwie nach Europa. In Straßburg durchkämmt der ehemalige Literaturprofessor aus Aleppo die Geflüchtetenunterkünfte nach einem angeblich alten Bekannten namens Harfaz. Dabei lernt er Yara (Hala Rajab) kennen, die in Syrien als Ärztin arbeitete, nun aber einen Waschsalon betreibt.

Sukzessive offenbart sich, welches Spiel Hamid tatsächlich treibt. Der vom Tod seiner Frau und seines Kindes schwer gezeichnete Mann ist Teil eines Untergrundnetzwerks aus Zivilisten, die versuchen, nach Europa geflohene Kriegsverbrecher ausfindig und dingfest zu machen. Hinter Harfaz (Tawfeek Barhom), der an der Straßburger Universität Chemie studiert, verbirgt sich kein alter Freund, sondern womöglich ein Folterknecht des Regimes, zu dessen Opfern auch Hamid zählen könnte.

Bildergalerie zum Film "Die Schattenjäger"

Die Schattenjäger - Hamid in seiner kleinen WohnungDie Schattenjäger - Hamid und NinaDie Schattenjäger - Hamid verfolgt HarfazDie Schattenjäger - Hamid analysiert SprachaufnahmenDie Schattenjäger - Hamid beobachtet HarfazDie Schattenjäger

Hier streamen


Filmkritikunterirdischschlechtmittelm??iggutweltklasse2 / 5

"Die Schattenjäger": Der Tod lähmt einen Spurensucher

Die Prämisse verspricht Hochspannung: Mitten in Europa spüren Syrer untergetauchte Syrer auf, um sie für ihre Kriegsverbrechen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Handlungsort ist symbolträchtig, denn Straßburg ist mit seinen zahlreichen Einrichtungen eines der Herzen europäischer Politik. Wenn auf dem Filmplakat dann auch noch eine lobende Pressestimme ("Ein unerbittlicher Spionagethriller") prangt, steigen die Erwartungen zusätzlich. Doch sie werden enttäuscht. Unerbittlich ist dieser Thriller keineswegs, ja, es ist nicht einmal klar, ob es sich überhaupt um einen Thriller handelt.

Akribische Recherche, dokumentarischer Ansatz

"Die Schattenjäger" ist das Spielfilmdebüt von Jonathan Millet. Bevor der 1985 geborene Franzose ins Regiefach wechselte, bereiste er knapp 50 Länder, um mit seiner Kamera Bilddatenbanken zu füllen. Von dieser Profession war der Weg zum Dokumentarfilm nicht weit. Nach mehreren langen Dokumentarfilmen, darunter einer über den Alltag Geflüchteter in der spanischen Exklave Ceuta, fiktionalen Kurzfilmen und einem mittellangen Drama, feierte Millet mit seinem ersten abendfüllenden Spielfilm im Mai 2024 bei den Filmfestspielen in Cannes in der Sektion Semaine de la Critique Weltpremiere.

"Obwohl es nie einen Hamid gab, der einen Harfaz verfolgte, basieren die Handlungen, Taten und Charakterzüge der meisten Charaktere auf konkreten Fakten", sagt Millet, der seinem ersten Spielfilm eine ausführliche Recherche voranstellte. Dieser faktenbasierte, beinahe dokumentarische Ansatz raubt dem Film allerdings die nötige Durchschlagskraft. Die Realität von Ermittlungen, wie denen im Film gezeigten, ist schlicht und ergreifend zu eintönig, um Spannung zu erzeugen. Erschwerend hinzu kommt, dass Millet die wenigen fiktional zugespitzten Momente inszenatorisch nicht konsequent genug nutzt, um das Publikum an die Kinositze zu fesseln.

Vergleichsweise spannungslos

Um zu veranschaulichen, woran es diesem Debüt mangelt, bieten sich Vergleiche mit inhaltlich ähnlich gelagerten Filmen oder Filmszenen an. Da die von Adam Bessa gespielte Hauptfigur Hamid nie das Gesicht ihres Peinigers gesehen hat, versteift sie sich auf dessen Stimme. Wieder und wieder hört sich Hamid Zeugenberichte und die heimlich aufgenommene Stimme des mutmaßlichen Folterers an. Diese Obsession mit Tonaufnahmen erinnert zum einen an Francis Ford Coppolas Abhör-Thriller "Der Dialog" (1974) mit dem erst kürzlich verstorbenen Gene Hackman und zum anderen an Brian De Palmas "Blow Up"-Variation "Blow Out" (1981) mit John Travolta. Doch weil die Tonaufnahmen in Millets Film, anders als bei Coppola und De Palma, die Handlung nicht vorantreiben, sondern lediglich schmückendes Beiwerk bleiben, entfalten sie nicht annähernd dieselbe Wucht wie bei den zwei US-Kollegen.

Ein Gespräch in einem Restaurant, bei dem sich Adam Bessas Hamid und der von Tawfeek Barhom verkörperte Harfaz erstmals persönlich unterhalten, ihr Gegenüber kritisch beäugen und auf Widersprüche abklopfen und dabei stets Gefahr laufen, sich selbst zu entlarven, erinnert wiederum an gleich zwei weitere Filme mit Tawfeek Barhom. In Tarik Salehs religiösem Politthriller "Die Kairo Verschwörung" (2022) gerät die Hauptfigur wiederholt in solche Situationen, lediglich unter umgekehrten Vorzeichen, denn Barhom spielt darin einen Informanten. Und in "The Rhythm Section" (2020) von Regisseurin Reed Morano jagt die von Blake Lively gespielte Protagonistin unter anderem einen von Barhom verkörperten Bombenbauer, den sie in der Mensa einer Londoner Hochschule konfrontiert, woraus sich ein kurzer Wortwechsel ergibt. Auch wenn Reed Moranos Film viele andere Schwächen haben mag, Spannungsmomente weiß die US-Amerikaner gekonnt zu inszenieren. Selbst diese Mini-Szene ist nervenaufreibender als das lange Gespräch in "Die Schattenjäger". Wie Tarik Saleh ist auch Morano dem Kollegen Jonathan Millet in puncto Spannungsaufbau meilenweit voraus.

Weder Thriller noch Drama

Je weiter die Handlung voranschreitet, desto deutlicher zeichnet sich ab, dass es dem Regisseur mehr auf die psychologische Verfasstheit seines Protagonisten und auf die ethisch-moralischen Implikationen seines Handelns ankommt als darauf, aufregende Thrillermomente zu inszenieren. Doch auch als Drama oder gar als Psychogramm funktioniert die "Die Schattenjäger" nur leidlich. Dafür bleibt die Figur des Hamid zu blass, ist sie zu oberflächlich geschrieben und von Adam Bessa mit dem immer selben Gesichtsausdruck eines geprügelten Hundes auch zu einseitig gespielt.

Fazit: Der Dokumentarfilmer Jonathan Millet ("Ceuta, douce prison") gibt mit "Die Schattenjäger" sein Spielfilmdebüt. Die Mischung aus Thriller und Drama, die in Cannes Premiere feierte, hat eine spannende Prämisse, ansonsten aber kaum Spannung zu bieten. Letztlich funktioniert der Film weder als Thriller noch als Drama.




TrailerAlle "Die Schattenjäger"-Trailer anzeigen

Zum Video: Die Schattenjäger

Besetzung & Crew von "Die Schattenjäger"

Land: Frankreich
Weitere Titel: Ghost Trail
Jahr: 2024
Genre: Drama
Originaltitel: Les fantômes
Länge: 106 Minuten
Kinostart: 13.03.2025
Regie: Jonathan Millet
Darsteller: Adam Bessa als Hamid, Tawfeek Barhom als Harfaz, Julia Franz Richter als Nina, Hala Rajab, Shafiqa El Till
Kamera: Olivier Vanaschen
Verleih: Immergutefilme

Verknüpfungen zu "Die Schattenjäger"Alle anzeigen





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.