
© Film Kino Text
Les Indésirables - Die Unerwünschten (2023)
Bâtiment 5
Französisches Drama von Regisseur Ladj Ly über eine junge Frau, die der politischen Landschaft in ihrer Heimatstadt ein neues Gesicht geben möchte.Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung :
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 1 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Als der Bürgermeister eines Pariser Vororts plötzlich und unerwartet stirbt, muss schnellstmöglich ein Nachfolger her. Bei der rathausinternen Kür eines Kandidaten, der das Amt bis zur nächsten offiziellen Wahl übergangsweise übernehmen soll, sticht der in der Gemeinde hoch angesehene Kinderarzt Pierre Forges (Alexis Manenti) den amtierenden stellvertretenden Bürgermeister Roger Roche (Steve Tientcheu) aus. Während Roche mit seinen afrikanischen Wurzeln stets ein Ohr für die Belange der Migranten in seiner Gemeinde hatte, setzt Forges den Kurs seines verstorbenen Vorgängers unerbittlich fort. Er plant den Abriss vieler in die Jahre gekommener Wohnblöcke.
Dagegen setzt sich Haby Keita (Anta Diaw), eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung, die mit ihrer Familie selbst in einem solchen Sozialbau wohnt, zur Wehr. Denn natürlich geht die Modernisierung dieser Viertel mit einem Verdrängungsprozess einher. Viele der dort lebenden Bedürftigen werden sich die Gegend später nicht mehr leisten können. Aus Protest gegen die Zustände in ihrer Gemeinde stellt sich die junge Frau mit malischen Wurzeln bei der anstehenden Bürgermeisterwahl als Gegenkandidatin auf. Unterstützt wird sie von ihrem Nachbarn und besten Freund Blaz (Aristote Luyindula), der eine Menge Wut in sich trägt.
Bildergalerie zum Film "Les Indésirables - Die Unerwünschten"
Hier streamen
Filmkritik
"Die Unerwünschten": Wem gehört die Stadt?
Ladj Ly hat es weit gebracht. 1978 in Mali geboren, im Pariser Vorort Montfermeil aufgewachsen und dort mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ist er als Dokumentarfilmer, Drehbuchautor und Regisseur inzwischen zum Chronisten sozialer Verwerfungen aufgestiegen. Sein Debütfilm "Die Wütenden" (2019) war für einen Oscar nominiert und Romain Gavras Vorstadt-Actiondrama "Athena" (2022), für das Ly gemeinsam mit Gavras das Drehbuch schrieb, lief bei den Filmfestspielen in Venedig. Auf "Die Wütenden" folgen nun "Die Unerwünschten". Dafür hat Ly erneut in der Vorstadt gedreht, auch wenn seine Story dieses Mal in einer fiktiven Gemeinde angesiedelt ist, die exemplarisch für die Problemlage in den Banlieues stehen soll.
Alte und neue Gesichter
Nicht nur die Orte, auch die Gesichter sind vertraut. Steve Tientcheu, der in "Die Wütenden" Montfermeils selbst ernannten "Bürgermeister" spielte, bekleidet in "Die Unerwünschten" nun ganz offiziell ein politisches Amt. Allerdings wird seine Figur bei der Wahl eines Übergangsbürgermeisters von der Figur seines Schauspielkollegen Alexis Manenti ausgestochen. Auch der spielte schon in "Die Wütenden" mit, gab einen perfiden Polizisten. Ganz so widerwärtig ist seine Rolle in Lys neuem Film zwar nicht, aber auch darin gibt er eine unangenehme Type: einen skrupellosen Opportunisten ohne jegliches Rückgrat.
Frische Gesichter sind unterdessen Aristote Luyindula und Anta Diaw, die zwei junge, politisch engagierte Bewohner des fiktiven Pariser Vororts spielen, die ihre Stadt voranbringen wollen. Allen voran Hauptdarstellerin Diaw ist eine Wucht. Und ihre Figur, die engagierte Haby Keita, die sich weder von mächtigen Männern noch von deren miesen Machenschaften abschrecken lässt, steht nicht nur im Film für ein neues, aufgeklärtes und offenes, kurzum modernes Frankreich. Die Probleme des Films liegen indessen woanders.
Emotional, aber auch plakativ
Bei seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm als Regisseur hat sich Ladj Ly für ein anderes Genre entschieden. War "Die Wütenden" stets mehr Krimi und Thriller als Drama, ist "Die Unerwünschten", dem satirisch angehauchten Beginn und einigen Coming-of-Age-Tendenzen zum Trotz, klar dem Sozialdrama zuzuordnen. Was funktionieren könnte, wüsste Ly, wovon er erzählen will. Lange Zeit sieht es so aus, als liefe die Handlung auf einen politischen Wahlkampf und auf einen Zwei- bzw. Dreikampf zwischen den von Diaw, Manenti und Tientcheu gespielten Charakteren hinaus. Doch diesen Handlungsfaden lässt Ly in dem von ihm selbst gemeinsam mit Giordano Gederlini und Dominique Baumard verfassten Drehbuch ebenso abrupt fallen wie manch anderen. Nur, um ihn gegen ein eruptives, emotional aufwühlendes Ende einzutauschen. Doch wie viele der recht eindimensional gezeichneten Figuren ist dieses Ende zwar effektiv, aber eben auch plump und plakativ.
Fazit: Auf "Die Wütenden" folgt "Die Unerwünschten". Auch der zweite abendfüllende Spielfilm von Ladj Ly packt gleich mehrere heiße Eisen an. Es geht um Migration, Gentrifizierung und Klassenkampf und darum, wie diese Themen politisch ausgeschlachtet werden, um sozial benachteiligte Menschen gegeneinander auszuspielen. Doch so dringlich diese Themen auch sind, dieses Mal bringt Ly sie allzu plakativ und erzählerisch unentschlossen auf die große Leinwand.
Ladj Ly hat es weit gebracht. 1978 in Mali geboren, im Pariser Vorort Montfermeil aufgewachsen und dort mit dem Gesetz in Konflikt geraten, ist er als Dokumentarfilmer, Drehbuchautor und Regisseur inzwischen zum Chronisten sozialer Verwerfungen aufgestiegen. Sein Debütfilm "Die Wütenden" (2019) war für einen Oscar nominiert und Romain Gavras Vorstadt-Actiondrama "Athena" (2022), für das Ly gemeinsam mit Gavras das Drehbuch schrieb, lief bei den Filmfestspielen in Venedig. Auf "Die Wütenden" folgen nun "Die Unerwünschten". Dafür hat Ly erneut in der Vorstadt gedreht, auch wenn seine Story dieses Mal in einer fiktiven Gemeinde angesiedelt ist, die exemplarisch für die Problemlage in den Banlieues stehen soll.
Alte und neue Gesichter
Nicht nur die Orte, auch die Gesichter sind vertraut. Steve Tientcheu, der in "Die Wütenden" Montfermeils selbst ernannten "Bürgermeister" spielte, bekleidet in "Die Unerwünschten" nun ganz offiziell ein politisches Amt. Allerdings wird seine Figur bei der Wahl eines Übergangsbürgermeisters von der Figur seines Schauspielkollegen Alexis Manenti ausgestochen. Auch der spielte schon in "Die Wütenden" mit, gab einen perfiden Polizisten. Ganz so widerwärtig ist seine Rolle in Lys neuem Film zwar nicht, aber auch darin gibt er eine unangenehme Type: einen skrupellosen Opportunisten ohne jegliches Rückgrat.
Frische Gesichter sind unterdessen Aristote Luyindula und Anta Diaw, die zwei junge, politisch engagierte Bewohner des fiktiven Pariser Vororts spielen, die ihre Stadt voranbringen wollen. Allen voran Hauptdarstellerin Diaw ist eine Wucht. Und ihre Figur, die engagierte Haby Keita, die sich weder von mächtigen Männern noch von deren miesen Machenschaften abschrecken lässt, steht nicht nur im Film für ein neues, aufgeklärtes und offenes, kurzum modernes Frankreich. Die Probleme des Films liegen indessen woanders.
Emotional, aber auch plakativ
Bei seinem zweiten abendfüllenden Spielfilm als Regisseur hat sich Ladj Ly für ein anderes Genre entschieden. War "Die Wütenden" stets mehr Krimi und Thriller als Drama, ist "Die Unerwünschten", dem satirisch angehauchten Beginn und einigen Coming-of-Age-Tendenzen zum Trotz, klar dem Sozialdrama zuzuordnen. Was funktionieren könnte, wüsste Ly, wovon er erzählen will. Lange Zeit sieht es so aus, als liefe die Handlung auf einen politischen Wahlkampf und auf einen Zwei- bzw. Dreikampf zwischen den von Diaw, Manenti und Tientcheu gespielten Charakteren hinaus. Doch diesen Handlungsfaden lässt Ly in dem von ihm selbst gemeinsam mit Giordano Gederlini und Dominique Baumard verfassten Drehbuch ebenso abrupt fallen wie manch anderen. Nur, um ihn gegen ein eruptives, emotional aufwühlendes Ende einzutauschen. Doch wie viele der recht eindimensional gezeichneten Figuren ist dieses Ende zwar effektiv, aber eben auch plump und plakativ.
Fazit: Auf "Die Wütenden" folgt "Die Unerwünschten". Auch der zweite abendfüllende Spielfilm von Ladj Ly packt gleich mehrere heiße Eisen an. Es geht um Migration, Gentrifizierung und Klassenkampf und darum, wie diese Themen politisch ausgeschlachtet werden, um sozial benachteiligte Menschen gegeneinander auszuspielen. Doch so dringlich diese Themen auch sind, dieses Mal bringt Ly sie allzu plakativ und erzählerisch unentschlossen auf die große Leinwand.
Falk Straub
TrailerAlle "Les Indésirables - Die Unerwünschten"-Trailer anzeigen

Besetzung & Crew von "Les Indésirables - Die Unerwünschten"
Land: FrankreichJahr: 2023
Genre: Drama
Originaltitel: Bâtiment 5
Länge: 105 Minuten
Kinostart: 06.03.2025
Regie: Ladj Ly
Darsteller: Anta Diaw als Haby Keita, Alexis Manenti als Pierre Forges, Aristote Luyindula als Blaz, Steve Tientcheu als Roger Roche, Aurélia Petit als Nathalie Forges
Kamera: Julien Poupard
Verleih: Film Kino Text