Lügen und andere Wahrheiten (2014)
Lügen
Deutsches Episoden-Drama um Notlügen, Halbwahrheiten und Täuschungen: Immobilienmakler Carlos verschweigt seiner Verlobten Coco, dass er abgebrannt ist. Cocos beste Freundin Patti verschweigt ihr eine Affäre mit Yoga-Lehrer Andi. Der wiederum verheimlicht allen sein Aggressionsproblem...Kritiker-Film-Bewertung:User-Film-Bewertung :
Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 11 Besucher eine Bewertung abgegeben.
Kurz vor ihrer Hochzeit mit dem Immobilienmakler Carlos (Thomas Heinze) wird die Zahnärztin Coco (Meret Becker) misstrauisch. Sie kontrolliert das Handy ihres Liebsten, stellt ihn wiederholt zur Rede und sucht noch am Tag vor der Feier einen Experten auf, der ihr erklärt, wie die Körpersprache einen Lügner verrät. Tatsächlich weiß sie nicht, dass Carlos mehr als 3000 Euro auf einer Sexparty verprasst hat und seinen Führerschein los ist. Mit ihrer Zahnarzthelferin Vera (Alina Levshin) hat Coco weniger Geduld: Als sie die klamme Russin, die ihrer Familie ständig Geld nach Hause schicken muss, bei einer Unregelmäßigkeit ertappt, kündigt sie ihr.
Vera hat gerade Besuch aus Russland: Ihr Bruder will, dass sie dem Vater für eine dringende Beinamputation eine hohe Summe besorgt. Vera jobbt nun als Fahrerin für Carlos und steht Cocos bester Freundin Patti (Jeanette Hain) Modell für ein Gemälde, aber Geld sieht sie dabei kaum. Als sie zufällig mitbekommt, wie Cocos und Pattis Yogalehrer Andi (Florian David Fitz) auf der Straße einen Mann bewusstlos schlägt, fordert sie für ihr Schweigen 3000 Euro von ihm. Andi will unbedingt, dass sein Aggressionsproblem geheim bleibt. Seiner älteren Freundin Patti verschweigt er noch mehr, so dass sie immer unglücklicher wird. Die Malerin überwirft sich mit Coco, weil die sich nur für sich selbst zu interessieren scheint. Für alle diese Personen kommt der Tag der Wahrheit.
Bildergalerie zum Film "Lügen und andere Wahrheiten"
Hier streamen
Filmkritik
Die verschiedenen Menschen in Vanessa Jopps Film stehen alle miteinander in Beziehung und sind doch einsam. Sie verheimlichen unliebsame Wahrheiten vor sich selbst und vor denjenigen, die ihnen am nächsten stehen. Oder sie lügen, weil sie sich in einer Notlage befinden. Das Glück, nach dem sie sich sehnen, haben sie alle noch nicht gefunden. Vielmehr scheint der Weg dorthin sie erst einmal in die andere Richtung zu führen. Die realitätsnahen Geschichten, die lose verbunden sind und im spannenden Wechsel erzählt werden, behalten trotz ihres ernsten Inhalts einen leichten und sogar witzigen Ton.
Mehr Achtsamkeit! Das ist praktisch die Botschaft des Films und der Wunsch seiner Helden. Sie sind auf verschiedene Weise sowohl Täter, als auch Opfer eines unaufrichtigen oder unaufmerksamen Umgangs miteinander. Achtsamkeit ist auch das Thema der Yoga-Stunden von Andi, dem seine Kursteilnehmerinnen wegen seiner inneren Ruhe – und seiner körperlichen Attraktivität – in Bewunderung ergeben sind. Eine der vielen Überraschungen, mit denen der Film aufwartet, ist, dass Andi mit Yoga und Meditation selbst eisern versucht, seine impulsive Gewalttätigkeit in den Griff zu kriegen. Wie er verheddern sich die meisten Charaktere aber in ihrem eigenen Kokon aus Wunschdenken und fehlender Einsicht. Die Hauptgeschichte um Coco und Carlos ist zugleich auch die lustigste, denn die ständig miesepetrig dreinblickende Zahnärztin erkennt nicht, wie sie sich ihre Unzufriedenheit selbst zurechtzimmert. Wie sollte sie auch – sie erlebt sich ja als die einzige Pflichtbewusste, Korrekte in einem von Egoisten bevölkerten Umfeld. Meret Becker stellt diese Coco herrlich verstockt und unterkühlt dar. Auch Alina Levshin beeindruckt in ihrer Rolle als Russin, die von allen Seiten ausgenutzt wird.
Die oft komische Zuspitzung der Gegensätze und die Unvorhersehbarkeit der Entwicklungen machen den Film spannend. Dennoch fragt man sich mit zunehmender Dauer, was die einzelnen Geschichten eigentlich zusammenhält, auf welchen Fluchtpunkt sie zulaufen. Denn das Innenleben der Charaktere folgt einem so ehrgeizigen Regieplan, dass es sich emotional nicht tief genug darstellen und miterleben lässt. Nicht nur die melancholisch-zärtliche Musik, auch der episodische Aufbau und der Inhalt der Geschichten lassen an "Magnolia" von Paul Thomas Anderson als womöglich großes Vorbild für diesen Film denken. Einem Werk von solcher emotionaler Wucht nachzueifern, ist aber generell keine gute Idee. Trotz seiner Grenzen gerade im Bereich des Dramatischen präsentiert sich Jopps Film dennoch als interessanter und auch gemütvoller Reigen von Geschichten über das Zwischenmenschliche und den Selbstbetrug.
Fazit: Vanessa Jopps gemütvolles und von Komik durchzogenes Drama sinniert in lose verbundenen Beziehungsgeschichten über die Einsamkeit des Menschen und seine Tendenz, sich selbst zu belügen.
Mehr Achtsamkeit! Das ist praktisch die Botschaft des Films und der Wunsch seiner Helden. Sie sind auf verschiedene Weise sowohl Täter, als auch Opfer eines unaufrichtigen oder unaufmerksamen Umgangs miteinander. Achtsamkeit ist auch das Thema der Yoga-Stunden von Andi, dem seine Kursteilnehmerinnen wegen seiner inneren Ruhe – und seiner körperlichen Attraktivität – in Bewunderung ergeben sind. Eine der vielen Überraschungen, mit denen der Film aufwartet, ist, dass Andi mit Yoga und Meditation selbst eisern versucht, seine impulsive Gewalttätigkeit in den Griff zu kriegen. Wie er verheddern sich die meisten Charaktere aber in ihrem eigenen Kokon aus Wunschdenken und fehlender Einsicht. Die Hauptgeschichte um Coco und Carlos ist zugleich auch die lustigste, denn die ständig miesepetrig dreinblickende Zahnärztin erkennt nicht, wie sie sich ihre Unzufriedenheit selbst zurechtzimmert. Wie sollte sie auch – sie erlebt sich ja als die einzige Pflichtbewusste, Korrekte in einem von Egoisten bevölkerten Umfeld. Meret Becker stellt diese Coco herrlich verstockt und unterkühlt dar. Auch Alina Levshin beeindruckt in ihrer Rolle als Russin, die von allen Seiten ausgenutzt wird.
Die oft komische Zuspitzung der Gegensätze und die Unvorhersehbarkeit der Entwicklungen machen den Film spannend. Dennoch fragt man sich mit zunehmender Dauer, was die einzelnen Geschichten eigentlich zusammenhält, auf welchen Fluchtpunkt sie zulaufen. Denn das Innenleben der Charaktere folgt einem so ehrgeizigen Regieplan, dass es sich emotional nicht tief genug darstellen und miterleben lässt. Nicht nur die melancholisch-zärtliche Musik, auch der episodische Aufbau und der Inhalt der Geschichten lassen an "Magnolia" von Paul Thomas Anderson als womöglich großes Vorbild für diesen Film denken. Einem Werk von solcher emotionaler Wucht nachzueifern, ist aber generell keine gute Idee. Trotz seiner Grenzen gerade im Bereich des Dramatischen präsentiert sich Jopps Film dennoch als interessanter und auch gemütvoller Reigen von Geschichten über das Zwischenmenschliche und den Selbstbetrug.
Fazit: Vanessa Jopps gemütvolles und von Komik durchzogenes Drama sinniert in lose verbundenen Beziehungsgeschichten über die Einsamkeit des Menschen und seine Tendenz, sich selbst zu belügen.
Bianka Piringer
TrailerAlle "Lügen und andere Wahrheiten"-Trailer anzeigen
Besetzung & Crew von "Lügen und andere Wahrheiten"
Land: DeutschlandJahr: 2014
Genre: Drama
Originaltitel: Lügen
Länge: 106 Minuten
Kinostart: 11.09.2014
Regie: Vanessa Jopp
Darsteller: Florian David Fitz als Andi, Jeanette Hain als Patti, Meret Becker als Coco, Alina Levshin als Vera, Thomas Heinze als Carlos
Kamera: Henner Besuch, Ricarda Hibbeln
Verleih: Central Film, Wild Bunch